Prof. Dr. Hartmut Leppin

 

Christentum und das antike Erbe des Euromediterraneums

 

Hauptvortrag
11.09.2017 | 09:00 Uhr
Großer Festsaal der Universität Wien

Prof. Dr. Hartmut Leppin

Frankfurt/Main

Abstract

Der Bezug auf das Christentum und damit auf eine Religion des antiken Mediterrraneums ist für das Selbstverständnis vieler Europäer wesentlich. Kein Zweifel kann bestehen, dass zentrale Konzepte der westlichen Moderne wie das der Menschenrechte in irgendeiner Weise mit christlichen Einflüssen verbunden sind. Gerade das vorconstantinische Christentum bietet für viele eine Anmutung von Modernität. Diese Intuition soll im Vortrag anhand verschiedener moderner Konzepte (namentlich Kampf um Anerkennung, Individualisierung religiöser Entscheidungen, Prozeduralität bei Personalentscheidungen) geprüft und historisiert werden. Damit verbindet sich die Frage danach, unter welchen Umständen das modernitätsaffine Potential antiker christlicher Denker angeeignet wurde oder eben auch nicht.

Biogramm

Hartmut Leppin studierte Geschichte und Klassische Philologie in Marburg, Heidelberg, Pavia und Rom. Nach dem Staatsexamen 1988 in Marburg wurde er dort 1990 promoviert. 1995 habilitierte er sich an der Freien Universität Berlin. 1995/6 vertrat er eine Professur in Greifswald. Danach erhielt er ein Feodor-Lynen- und ein Heisenberg-Stipendium, die er für Forschungsaufenthalte in Nottingham und Göttingen nutzte; seit

2001 ist er Professor für Alte Geschichte in Frankfurt am Main. Rufe nach Hannover, Berlin (HU) und Köln lehnte er ab. 2015 erhielt der den Leibnizpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Er ist Herausgeber der Historischen Zeitschrift, der Zeitschrift Millennium und der Millennium Studien, des RAC, Mitglied des Kuratoriums des Historischen Kollegs (http://www.historischeskolleg.de), des Beirats der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik, des Frobenius-Instituts und von Ceraneum.

Forschungsprojekte

  • Polyphonie des spätantiken Christentums: Das Projekt, das aus den Mitteln des Leibnizpreises finanziert wird, schließt an das obige Projekt an. Hier soll die Vielfalt des spätantiken Christentums erforscht werden.
  • Einen Schwerpunkt bilden die sogenannten orientalischen Christentümer, das heißt Formen des Christentums, deren wichtigsten Texte nicht in den klassischen Sprachen Latein und Griechisch, sondern in Sprachen wie Armenisch, Syrisch, Georgisch, Koptisch, Altäthiopisch usw. geschrieben wurden und deren Zentren zumeist außerhalb des Römischen Reiches lagen. Insbesondere sollen Austauschprozesse zwischen den christlichen Kulturen und Räumen innerhalb und außerhalb des Imperium Romanum erforscht werden, um damit eine globale Perspektive auf die Geschichte der Spätantike zu gewinnen. Dieses Thema besitzt gerade jetzt eine traurige Aktualität, weil die Christentümer im heutigen Nahen Osten existenziell bedroht sind.
  • Der zweite Schwerpunkt des Leibnizprojektes ist der Frage nach dem Verhältnis von Religion und Großreich gewidmet: Inwiefern stützten Universalreligionen die Stabilität von Reichen oder bildeten ein Gegengewicht? War Toleranz in Großreichen mit ihrer Vielfalt wahrscheinlicher? Begünstigten Reiche gar religiöse Minderheiten, die auf das Wohlwollen der Herrscher angewiesen waren? Derartige Fragen sollen vor allenauf internationalen Tagungen universalgeschichtlich vergleichend untersucht werden.

Verbundprojekte

  • SFB 1095 Schwächediskurse und Ressourcenregime
  • Graduiertenkolleg Theologie als Wissenschaft
  • die Forschergruppe Personalentscheidungen bei gesellschaftlichen Schlüsselpositionen
  • Exzellenzcluster Herausbildung normativer Ordnungen